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Pretty or Ugly

„Am I Pretty or Ugly?“ Mediale Projektion und fehlende Medienkompetenz: Zwei Seiten eines YouTube-Phänomens.

Hausarbeit (Master) für das Seminar: Media of Surveillance – The Digital Society of Control. Wintersemester 2013/2014. Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. 

Einleitung:

Während der seit Beginn diesen Jahrtausends anhaltende Reality TV-Boom nach über einem Jahrzehnt langsam an Schub verliert (Medialife Magazine, 2011) und die Zahl der US-Haushalte mit Fernsehgerät sinkt (Nielsen, 2011), erfreut sich das Internet an einem nicht enden wollenden Strom von Reality-Informations- und Unterhaltungsangeboten und deren Konsumenten.

Seit seinem Start 2005 etabliert sich YouTube als dezidierter Kommunikationskanal und entwickelt sich rasch zum Medium der Wahl für die Verbreitung von Videos. Das Internet ist das neue Reality-TV und YouTube ist die dominierende Plattform deren Einfachheit und Macht Individuen das Mitteilen von Videos, die Verbreitung eigener Ideen und die Möglichkeit einer direkten Reaktion erlaubt. Zusammen mit Facebook begründet YouTube eine neue Ära des Exhibitionismus und Voyeurismus. Gatekeepingprozesse, welche traditionell den Massenmedien vorbehalten waren, finden dort nicht mehr statt: „Not everyone can be on TV, but everyone can be on YouTube.“ Der HTML-Titel von youtube.com ist „YouTube – Broadcast Yourself“ (Lee 2013). Jeder kann jetzt mit Hilfe eines Smartphones seine sprichwörtlichen 15 Minutes Of Fame auf der Videoplattform realisieren. Dass daraus durchaus auch mehr werden kann, wird deutlich wenn man sich den Werdegang eines Justin Bieber ansieht, der durch selbstgemachte YouTube-Videos erstmals auf sich aufmerksam machte (ABC News, 2009).

Zu den Individuen, die auf der Video-Plattform ihre Talente präsentieren, gesellen sich zunehmend auch Jugendliche, die ohne offensichtliche Zurschaustellung von besonderen Talenten auf der Suche nach Anerkennung und Bestätigung sind: »Am I pretty or ugly?« ist die Frage in einer Reihe von YouTube-Videos. Einige von ihnen haben bereits Millionen von Clicks und konkurrieren in dieser Hinsicht auf Augenhöhe mit Blockbuster-Trailern und Musikvideohits (Lee 2013). Die typischen ersten Worte eines solchen Clips, klingen in etwa so: „Hey guys, this is my first video … but before I post any more videos making a fool of my- self, and I know there’s hundreds of videos like this. … I just wanna [sic] know, am I pretty or ugly? Cuz [sic] at school I get called ugly all the time.“ (CNN, 2012).

Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick darüber, wie Jugendliche sich mit Hilfe von selbst produzierten Videos inszenieren und wie diese rezipiert werden. Die Arbeit ist zu diesem Zweck grob in zwei Analysekategorien unterteilt: Zunächst wird das Phänomen Pretty or Ugly von Seiten der medialen Rezeption und Berichterstattung beschrieben. Zwar erscheinen die Berichte logischerweise zeitlich erst nachdem die ersten Videos verbreitet wurden, allerdings wird die Aufmerksamkeit vieler Rezipienten von diesen Medienberichten gelenkt. Auch bei der Themenfindung dieser Arbeit kamen die Recherchen erst über die journalistischen Beiträge mit den eigentlichen Videos in Kontakt. Beschrieben werden Medienagenda, mediales Framing und Diskurs des Phänomens sowie dessen Typenbildung. Als Metaebene werden in diesem Zusammenhang semiotische Muster und Typen der Berichterstattung beschrieben. Pretty or Ugly erhält mit dem entsprechenden Nachrichtenframing ein Gesicht und wird dort als Genre definiert. Dabei spielt eine große Rolle, wer dieses Phänomen framt (vgl. Kapitel 2). Im weiteren Verlauf beschreibt die vorliegende Arbeit semiotische Muster und Typen des Kernkonstrukts, bestehend aus den jeweiligen YouTube-Videos und deren Kommentaren. Dabei werden zwar an passenden Stellen Vergleiche zur medialen Berichterstattung gezogen, allerdings steht der Versuch einer möglichst sachlichen Analyse, losgelöst vom wertenden/emotionalen journalistischen Rahmen im Vordergrund (vgl. Kapitel 3). Ziel der Hausarbeit ist der Ansatz einer Ausarbeitung des Konstrukts Pretty or Ugly und seiner Teile als Ausgangspunkt für weitere wissenschaftliche Untersuchungen unterschiedlichster Disziplinen (vgl. Kapitel 4).

Bei Interesse (PN) stelle ich gerne die ganze Arbeit als PDF zur Verfügung.

 

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